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15 Jahre röda: Firewater + sado maso guitar club@KV Röda

15 Jahre röda: Firewater + sado maso guitar club

Fr., 08. Mär. 2013 21:00 @ KV Röda , Steyr

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tickets: 14/16/18
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Drei Jahre nach dem 2007er Album „The Golden Hour“ und unzählige Reisen quer über den Globus – gerne auch in Länder, in die seine Landsleute sonst Bomben werfen – warf Tod A schließlich seinen persönlichen Anker in Istanbul aus. „The city is fascinating. It’s a melting pot – a lot like NYC“, sagt Tod über seine neue Heimatstadt. „And with the revolutions going on all around, I knew we should record here.“ Eine Stadt, die wie seine alte Heimat New York als Schmelztiegel der Kulturen gilt und irgendwie geschaffen scheint, als Basis für eine Band wie Firewater. „Internationale Orange!“ macht in bester Firewater-Tradition den kulturellen und stilistischen Mix einen großen Schritt weiter. Türkische Percussions jagen Gitarren und Bläser, Multikulti-Offbeats untermalen Hymnen voller Frustration, Hoffnung, Bewegung und Veränderung. Die Songs streifen durch verschiedenste Grooves und Rhythmen, wie etwa den türkischen Maqsoum, punjabi Bhangra, jamaikanischen Ska bis hin zum klassischen Punkrock oder Oldschool Mambo. Es scheint kein Zufall, dass Tod A auf den Promotion-Fotos ein Clash-T-Shirt trägt, denn wenigen ist es so glanzvoll und verführerisch gelungen, Stile und Rhythmen aus allen Gegenden der Erde mit zeitgemäßer Rock- und Popmusik zu vermischen. Dass die Stimme des Firewater-Frontmann nicht weit von einem Joe Strummer entfernt ist, macht den Vergleich durchaus legitim. Der Mix von Tamir Muskat zeigt erneut Fingerspitzengefühl und weitreichende Kenntnisse von Bollywood Exzessen der sechziger Jahre, wie etwa des legendären R.D. Burman, bis hin zu den frühen Dub-Experimenten von King Tubby. Und ihm gelingt es, alle diese Sound-Gewürze in einem stimmigen Gesamtwerk zu vermengen und den besonderen Klang eines typischen Firewater-Albums zu erzeugen. Nicht zu vergessen aber sind erneut die Texte von Tod A. Poetisch und spielerisch, subtil und persönlich, voller Bilder und jederzeit angriffslustig und aufrührerisch. Hier wird der 2009er Finanzcrash („Ex-Millionär-Mambo“) genauso kommentiert wie die Frustration einer Generation, mit wenigen Optionen und Möglichkeiten („A Little Revolution“) oder die kleine Auszeiten und persönlichen Ups and Downs wie etwa in „Tropical Depression“. Und es bricht immer der New Yorker Punkrocker durch, der warnt, droht und wenig Ruhe gibt, wie etwa in „Up From The Underground“, das wie ein großes farbiges Grafitti an den Mauern des Kanzleramts erscheint: „You can beat us up, but you can’t beat us down.“ Aber trotz schwarzem Humor und zynischen Kommentaren ist „International Orange“ ein positives Werk und zeugt von Aufbruch und dem ewigen Tatendurst des musikalischen Rädelsführers. „I like the fact that, during the so-called ‚flotilla crisis‘ between Turkey and Israel, Turkish and Israeli musicians were collaborating on this record“, sagt Tod A über sein siebtes Werk. „Maybe we’re not going to save the world, but it’s a step in the right direction. Even when governments can’t seem to get along, there can still be hope for the rest of us.“



Vier Jahre ist es nun her, dass der Sado Maso Guitar Club das erste Mal von sich reden machte. Damals erschien das – anno dazumal noch – Solo-Projekt des langjährigen Gitarristen (und vormals Bassisten) der Sixties-Garage-Trash-Helden The Incredible Staggers, Matthias Krejan, auf Myspace. Bereits nach kürzester Zeit hatte sich eine solide Fangemeinde gebildet, die danach lechzte, Songs wie „The Feeling“, „Jackpot Cockeyed Girl“ oder das von den Klängen einer Sitar getragene „Take it as a Matter of Time“ endlich live zu hören. Also machte sich Gründer und Mastermind Krejan auf die Suche nach den geeigneten Musikern, die seine musikalischen Visionen bühnenreif umzusetzen vermochten, et voilà: Die Band, die heute für so manchen vollen Club, Konzertsaal (The Church Choir Project) und – ja – sogar Straßen (unplugged Akustikprogramm) sorgt, war geboren. Matthias Krejan (guit/vocs/sitar/banjo), Dominik Krejan (organ/vocs), Christoph Mandl (bass), Felix Krüger (drums) und Daniel Staber (guit/vocs) sind The Sado-Maso Guitar Club. Ein Name, der übrigens „einfach so“ entstanden ist, nämlich als Frontmann Krejan mit den Initialen seines Künstlernamens bei den Staggers, Shaking Matthews, also SM, herumspielte; und irgendwann – höchstwahrscheinlich zu späterer Stunde – kam es zu dem Bandnamen, der wahrlich als „Earcatcher“ fungiert, weil sich unweigerlich ein bestimmtes Bild aufdrängt – ein Name, der hauptsächlich fasziniert, aber auch hin und wieder mal polarisiert. Zugegeben, negative Reaktionen gab es eigentlich ausschließlich von der erzkatholischen Seite. Da hat anscheinend nicht ein jeder dafür Verständnis, warum sich eine Band nach einer eher tabuisierten Verhaltensform/Sexualpraktik benennt. Was wiederum amüsiert, wenn man bedenkt, dass Krejan nebenbei auch noch studiert und selbst angehender Theologe ist. Aber zurück zu den Musikern: Die Mitglieder der Band sind allesamt keine Neulinge in der Musikbranche, sondern haben sich schon mit anderen Projekten einen Namen gemacht. So ist Mandl Krejans langjähriger Bandkollege (am Bass) bei den Incredible Staggers, Dominik Krejan ließ Herr und Frau Österreicher mit seiner damaligen Rock-Combo The Scarves aufhorchen, Krüger schwang die Sticks bei der Hardcore-Noise Band Sick of Silence und den Powerpoppern Once Tasted Life und Staber, der sich musikalisch die letzten Jahre eher bedeckt hielt, war mit verschiedenen internationalen Produktionen unterwegs. Die Musikstile, die die Musiker von SMGC geprägt haben, könnten also unterschiedlicher nicht sein und dennoch harmonieren die fünf auf der Bühne perfekt. Das mag auch daran liegen, dass sie ihre Inspirationen nicht aus nur einer Quelle schöpfen, sondern in ihrem Schaffen die verschiedensten Einflüsse verarbeiten, da, laut Krejan, „Musik zu wertvoll und vielfältig ist, als dass man etwas von vornherein ignorieren könnte.“ Recht hat er. Er persönlich wuchs mit den wilden Klängen der Sechziger und Siebziger auf – die Beatles und die Stones (und zwar beide wirklich gleichermaßen), Led Zeppelin sowie The Who und Tom Petty sind nur ein paar der ganz Großen, die ihn geprägt haben und mitunter dafür verantwortlich sind, dass er in seinem Leben „nichts anderes als Musik machen“ will. Unüberhörbar bewegen sich die Jungs aber auch auf einer Wellenlänge mit den Briten Kula Shaker oder dem etwas widerspenstigen Brian Jonestown Massacre. Rock meets Psychedelic meets Hippie and a little bit of everything – so kann man das musikalische Output des Quintetts, das gegen jegliche Kategorisierung und engstirniges Schubladendenken immun zu sein scheint – wohl noch am ehesten beschreiben. Fühlt man sich angesichts der großen Vorbilder in vergangene Zeiten versetzt, erweckt SMGC vielleicht den Eindruck einer Revival-Band? Definitiv nicht – man hat einfach nur das durchaus schöne Gefühl, gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Trotz ihrer unterschiedlichen musikalischen „Vorbelastung“ bilden die Jungs eine Einheit, denn das Wichtigste haben sie ja ohnehin gemein: die Leidenschaft zur Musik; das, gepaart mit instrumentalem Know-how auf höchstem Niveau, macht den SMGC aus. Unverfälschter, geradliniger Gitarrenrock kombiniert mit eingängigen Piano-Melodien, mystischen Sitarklängen, unvergesslichen Banjo-Hooklines und Krejans markant-melancholischer Stimme bilden ein beeindruckendes, dynamisches Klangspektrum, dessen Wirkung man sich unmöglich entziehen kann. Echte Musik von echten Musikern. Authentischer geht kaum. Wunderbar.

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